Arnold Schönberg an C. F. Peters
12. Februar 1927
ARNOLD SCHÖNBERG
CHARLOTTENBURG 2
STEINPLATZ NR:2
PENSION BAVARIA
CHARLOTTENBURG 2
STEINPLATZ NR:2
PENSION BAVARIA
12.II.1927
Herrn Geheimrat Henri Hinrichsen
Leipzig, Talstrasse 10
Sehr geehrter Geheimrat,
vor Allem danke ich Ihnen sehr
für Ihren sehr liebenswürdigen Brief, aus welchem ich mit
Vergnügen entnehme, dass Sie meinem Schaffen Interesse ent-
gegenbringen. Gerne hätte ich Ihnen gleich etwas defi-
nitives geantwortet und warte seit mehr als einer Woche
auf einen Brief der Universal Edition. Jetzt höre ich aber
dass Herr Direktor Herzka krank sein soll und so kann es
vielleicht noch einige Zeit dauern, bis ich Näheres sa-
gen kann. Darum will ich vielleicht zuerst die Fragen Ihres
Briefes beantworten und Sie bitten, mir dann mitzuteilen, ob
Sie unter den daraus sich ergebenden Umständen dann noch
auf weitere Verhandlungen reflektieren: was ich natürlich
von Herzen hoffe!
für Ihren sehr liebenswürdigen Brief, aus welchem ich mit
Vergnügen entnehme, dass Sie meinem Schaffen Interesse ent-
gegenbringen. Gerne hätte ich Ihnen gleich etwas defi-
nitives geantwortet und warte seit mehr als einer Woche
auf einen Brief der Universal Edition. Jetzt höre ich aber
dass Herr Direktor Herzka krank sein soll und so kann es
vielleicht noch einige Zeit dauern, bis ich Näheres sa-
gen kann. Darum will ich vielleicht zuerst die Fragen Ihres
Briefes beantworten und Sie bitten, mir dann mitzuteilen, ob
Sie unter den daraus sich ergebenden Umständen dann noch
auf weitere Verhandlungen reflektieren: was ich natürlich
von Herzen hoffe!
Zunächst also: die Werke sind neuesten Datums, also selbst-
verständlich, was man so „atonal“ nennt; Zukunftsmusik al-
so: Musik meiner Zukunft, die sich ja bisher als nicht
aussichtslos erwiesen hat: Ich pflege auf die Frage, wa-
rum ich nicht mehr so schreibe wie zur Zeit der „Verklär-
ten Nacht“, die Antwort zu geben: „Das tue ich ja, d. h: ich schreibe noch immer so, aber ich
kann nicht dafür, dass die Leute es noch nicht erkennen“.
Nun bei einigen Werken, bei welchen ich so gefragt wur-
de, wie z:B. bei meinem II. Streichquartett (nebenbei be-
merkt war
verständlich, was man so „atonal“ nennt; Zukunftsmusik al-
so: Musik meiner Zukunft, die sich ja bisher als nicht
aussichtslos erwiesen hat: Ich pflege auf die Frage, wa-
rum ich nicht mehr so schreibe wie zur Zeit der „Verklär-
ten Nacht“, die Antwort zu geben: „Das tue ich ja, d. h: ich schreibe noch immer so, aber ich
kann nicht dafür, dass die Leute es noch nicht erkennen“.
Nun bei einigen Werken, bei welchen ich so gefragt wur-
de, wie z:B. bei meinem II. Streichquartett (nebenbei be-
merkt war
[merkt war] bei der Uraufführung der grösste Skan-
dal, den ich überhaupt erlebt habe) beginnt man das ja jetzt
schon zu erkennen und mir zu verzeihen, dass ich zwar noch
immer so schön wie früher, aber schon weit mehr kompo-
niere, als damals. Aber ich kann und mag es natürlich nie-
mandem verargen, der trotzdem noch kein vollkommenes Vertrau-
en zu fassen vermag.
Was nun Ihr Honorarangebot anbelangt, so muss ich sagen, dass
ich auf ein besseres hoffe, wenn Sie meine Darlegungen ge-
prüft haben werden. Ich bin derzeit verpflichtet, der Univ.
Ed. jährlich zwei Werke abzuliefern und erhalte dafür, ausser
den 12 1/2 %-igen Tantièmen, jährlich 6000 Goldmark. Ich habe
also die Aussicht bei mässiggutem Beschäftigungsgan[d]ge in cirka
10 Jahren auf das doppelte * zu kommen und erhalte dann noch,
was ja bei mir am meisten ausmachen wird, während der gan-
zen restlichen Schutzfrist weiter die Tantièmenanteile!
Ich schätze natürlich den Wert einer Honorarvorausbezah-
lung auch entsprechend, aber ich darf nicht soviel an Chan-
cen für die Zukunft dabei opfern müssen.
ich auf ein besseres hoffe, wenn Sie meine Darlegungen ge-
prüft haben werden. Ich bin derzeit verpflichtet, der Univ.
Ed. jährlich zwei Werke abzuliefern und erhalte dafür, ausser
den 12 1/2 %-igen Tantièmen, jährlich 6000 Goldmark. Ich habe
also die Aussicht bei mässiggutem Beschäftigungsgan[d]ge in cirka
10 Jahren auf das doppelte * zu kommen und erhalte dann noch,
was ja bei mir am meisten ausmachen wird, während der gan-
zen restlichen Schutzfrist weiter die Tantièmenanteile!
Ich schätze natürlich den Wert einer Honorarvorausbezah-
lung auch entsprechend, aber ich darf nicht soviel an Chan-
cen für die Zukunft dabei opfern müssen.
Was nun Ihre Bedenken über die Ertragsmöglichkeiten eines
Orchesterwerkes anbelangt, so sind die nach meinen Erfah-
rungen genau den Ihrigen entgegengesetzt, da mir bei der U.
E. gerade solche am meisten einbringen, was ja auch den auf-
fallenden Umständen erklärt, dass die U. E. im Gegensatz zu
allen anderen Verlegern soviel gestochene Orchesterpar-
tituren herausgiebt.
Orchesterwerkes anbelangt, so sind die nach meinen Erfah-
rungen genau den Ihrigen entgegengesetzt, da mir bei der U.
E. gerade solche am meisten einbringen, was ja auch den auf-
fallenden Umständen erklärt, dass die U. E. im Gegensatz zu
allen anderen Verlegern soviel gestochene Orchesterpar-
tituren herausgiebt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir zu einem Abschluss gelan-
[gen] könnten und bitte Sie dabei noch zu erwägen, dass die schlech-
ten Verhältnisse bei den Orchestervereinigungen – so hof-
fen wir doch alle – nur vorübergehend sind. Andrerseits aber
ist doch das Ausland heute ein sehr in Betracht kommen-
der Faktor und auch hier bessern sich die Verhältnisse
bereits und werden noch weit besser werden!
Nun hoffe ich sehr auf eine baldige und günstige Antwort.
Wie immer aber; so habe ich mich jedenfalls sehr gefreut,
Ihr Interesse zu besitzen und hoffe sehr, dass wir auch
geschäftlich uns werden nähern können.
Wie immer aber; so habe ich mich jedenfalls sehr gefreut,
Ihr Interesse zu besitzen und hoffe sehr, dass wir auch
geschäftlich uns werden nähern können.
Mit vielen herzlichen und ergebenen Grüßen bin ich, Ihr
ARNOLD SCHÖNBERG
CHARLOTTENBURG 2
STEINPLATZ NR:2
PENSION BAVARIA
CHARLOTTENBURG 2
STEINPLATZ NR:2
PENSION BAVARIA
12.II.1927
Herrn Geheimrat Henri Hinrichsen
Leipzig, Talstrasse 10
Sehr geehrter Geheimrat,
vor Allem danke ich Ihnen sehr
für Ihren sehr liebenswürdigen Brief, aus welchem ich mit
Vergnügen entnehme, dass Sie meinem Schaffen Interesse entgegenbringen. Gerne hätte ich Ihnen gleich etwas definitives geantwortet und warte seit mehr als einer Woche
auf einen Brief der Universal Edition. Jetzt höre ich aber
dass Herr Direktor Herzka krank sein soll und so kann es
vielleicht noch einige Zeit dauern, bis ich Näheres sagen kann. Darum will ich vielleicht zuerst die Fragen Ihres
Briefes beantworten und Sie bitten, mir dann mitzuteilen, ob
Sie unter den daraus sich ergebenden Umständen dann noch
auf weitere Verhandlungen reflektieren: was ich natürlich
von Herzen hoffe!
Zunächst also: die Werke sind neuesten Datums, also selbstverständlich, was man so „atonal“ nennt; Zukunftsmusik al
so: Musik meiner Zukunft, die sich ja bisher als nicht
aussichtslos erwiesen hat: Ich pflege auf die Frage, warum ich nicht mehr so schreibe wie zur Zeit der „Verklärten Nacht“, die Antwort zu geben: „Das tue ich ja, d. h: ich schreibe noch immer so, aber ich
kann nicht dafür, dass die Leute es noch nicht erkennen“.
Nun bei einigen Werken, bei welchen ich so gefragt wurde, wie z:B. bei meinem II. Streichquartett (nebenbei bemerkt war
bei der Uraufführung der grösste Skandal, den ich überhaupt erlebt habe) beginnt man das ja jetzt
schon zu erkennen und mir zu verzeihen, dass ich zwar noch
immer so schön wie früher, aber schon weit mehr komponiere, als damals. Aber ich kann und mag es natürlich nie
mandem verargen, der trotzdem noch kein vollkommenes Vertrauen zu fassen vermag.
Was nun Ihr Honorarangebot anbelangt, so muss ich sagen, dass
ich auf ein besseres hoffe, wenn Sie meine Darlegungen geprüft haben werden. Ich bin derzeit verpflichtet, der Univ.
Ed. jährlich zwei Werke abzuliefern und erhalte dafür, ausser
den 12 1/2 %-igen Tantièmen, jährlich 6000 Goldmark. Ich habe
also die Aussicht bei mässiggutem Beschäftigungsgange in cirka
10 Jahren auf das doppelte
zu kommen und erhalte dann noch,
was ja bei mir am meisten ausmachen wird, während der ganzen restlichen Schutzfrist weiter die Tantièmenanteile!
Ich schätze natürlich den Wert einer Honorarvorausbezahlung auch entsprechend, aber ich darf nicht soviel an Chancen für die Zukunft dabei opfern müssen.
Was nun Ihre Bedenken über die Ertragsmöglichkeiten eines
Orchesterwerkes anbelangt, so sind die nach meinen Erfahrungen genau den Ihrigen entgegengesetzt, da mir bei der U.
E. gerade solche am meisten einbringen, was ja auch den auffallenden Umständen erklärt, dass die U. E. im Gegensatz zu
allen anderen Verlegern soviel gestochene Orchesterpartituren herausgiebt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir zu einem Abschluss gelan
gen könnten und bitte Sie dabei noch zu erwägen, dass die schlechten Verhältnisse bei den Orchestervereinigungen – so hoffen wir doch alle – nur vorübergehend sind. Andrerseits aber
ist doch das Ausland heute ein sehr in Betracht kommender Faktor und auch hier bessern sich die Verhältnisse
bereits und werden noch weit besser werden!
Nun hoffe ich sehr auf eine baldige und günstige Antwort.
Wie immer aber; so habe ich mich jedenfalls sehr gefreut,
Ihr Interesse zu besitzen und hoffe sehr, dass wir auch
geschäftlich uns werden nähern können.
Mit vielen herzlichen und ergebenen Grüßen bin ich, Ihr
12. Februar 1927
Sächsisches Staatsarchiv (Leipzig)
Leipzig
21070 C. F. Peters
Nr. 2052
Leipzig
21070 C. F. Peters
Nr. 2052
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an C. F. Peters, 12. Februar 1927, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit C. F. Peters. Hrsg. von Florian Giering. Version 1.0 vom 02.04.2025. URL: https://www.schoenberg-peters.at/cfp/letters/letter.1288.