11/6.1912
Sehr geehrter Herr, Dr. Webern schickte mir die
2 Probesysteme, die allerdings sehr verwirrend
[aus]sehen. Dagegen behauptet er, es seien dies
die kompliciertesten Takte. Das kann ich nicht
recht beurteilen ohne die Noten zu sehen. Wenn alles oder vieles so
aussieht ist es gewiß ungünstig. Dagegen
ist zu berücksichtigen, daß die Instrumentations-
angaben hier nicht der Neugier dienen,
sondern Vortragsbezeichnungen sind. Denn
das p einer Flöte und das p einer Posaune
erfordert andere Wiedergabe.
Ich meine deshalb (und stelle es Ihnen
anheim, selbst zu entscheiden):
Sollten sich sehr viele solcher Stellen,
finden, die wie die Probe aussehen, dann
wäre es am besten, die Instrumentations-
Angaben ganz wegzulassen.
Sollte aber das Bild nur an einigen
wenigen Stellen so kompliciert werden,


dann könnte man sie ruhig lassen.
Jedenfalls aber:
Sie nur teilweise wegzunehmen, hat
keinen Sinn. Denn sie sind nicht
dort überflüssig, wo bloß kein Platz ist
und nicht dort nötiger, wo Platz wäre[.]
Jedenfalls bitte ich Sie mir und
Dr. von Webern Ihre Entscheidung mit-
zuteilen.
Ich empfehle mich mit vorzüglicher Hochachtung
Arnold Schönberg
11/6.1912
Sehr geehrter Herr, Dr. Webern schickte mir die 2 Probesysteme, die allerdings sehr verwirrend aussehen. Dagegen behauptet er, es seien dies die kompliciertesten Takte. Das kann ich nicht recht beurteilen ohne die Noten zu sehen. Wenn alles oder vieles so aussieht ist es gewiß ungünstig. Dagegen ist zu berücksichtigen, daß die Instrumentationsangaben hier nicht der Neugier dienen, sondern Vortragsbezeichnungen sind. Denn das p einer Flöte und das p einer Posaune erfordert andere Wiedergabe.
Ich meine deshalb (und stelle es Ihnen anheim, selbst zu entscheiden):
Sollten sich sehr viele solcher Stellen finden, die wie die Probe aussehen, dann wäre es am besten, die Instrumentations- Angaben ganz wegzulassen.
Sollte aber das Bild nur an einigen wenigen Stellen so kompliciert werden, dann könnte man sie ruhig lassen.
Jedenfalls aber:
Sie nur teilweise wegzunehmen, hat keinen Sinn. Denn sie sind nicht dort überflüssig, wo bloß kein Platz ist und nicht dort nötiger, wo Platz wäre.
Jedenfalls bitte ich Sie mir und Dr. von Webern Ihre Entscheidung mitzuteilen.
Ich empfehle mich mit vorzüglicher Hochachtung

11. Juni 1912


Sächsisches Staatsarchiv (Leipzig)
Leipzig
21070 C. F. Peters
Nr. 2052

Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an C. F. Peters, 11. Juni 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit C. F. Peters. Hrsg. von Florian Giering. Version 1.0 vom 02.04.2025. URL: https://www.schoenberg-peters.at/cfp/letters/letter.7732.