Arnold Schönberg an C. F. Peters
4. September 1912
4/9.1912
P. T. Edition Peters, aus beiliegendem Zeitungs-
ausschnitt erfahre ich, vondaß die Aufführung meiner
Orchesterstücke in London schon in dieser Woche
st[att]findet. Da diese die Uraufführung ist (!)
bin ich höchst überrascht und besorgt, da man mich
gar nicht gefragt hat, ob mir eine Aufführung
in London und ohne meine Anwesenheit (!) recht
ist. Es ist fast ganz ausgeschlossen, daß eine
solche Aufführung gut sein kann. Ich selbst habe
die Stücke noch nicht gehört und weiß nicht,
ob nicht kleine Retouchen nötig sind (etc!)
Und nun weiß ich nicht einmal, wer es
aufführt; ich weiß nicht ob Dirigent und
Orchester gut genug sind!! Abgesehen davon:
ich hätte es auch gern gehört! Ich bitte Sie daher,
mir umgehend folgendes mitzuteilen:
ausschnitt erfahre ich, vondaß die Aufführung meiner
Orchesterstücke in London schon in dieser Woche
st[att]findet. Da diese die Uraufführung ist (!)
bin ich höchst überrascht und besorgt, da man mich
gar nicht gefragt hat, ob mir eine Aufführung
in London und ohne meine Anwesenheit (!) recht
ist. Es ist fast ganz ausgeschlossen, daß eine
solche Aufführung gut sein kann. Ich selbst habe
die Stücke noch nicht gehört und weiß nicht,
ob nicht kleine Retouchen nötig sind (etc!)
Und nun weiß ich nicht einmal, wer es
aufführt; ich weiß nicht ob Dirigent und
Orchester gut genug sind!! Abgesehen davon:
ich hätte es auch gern gehört! Ich bitte Sie daher,
mir umgehend folgendes mitzuteilen:
| I. | Wer führt das auf? Welches Orchester,
welcher Dirigent? |
| II. | Haben diese Leute von Ihnen das Recht
zur Uraufführung erhalten? |
| III. | Wurden Bedingungen über die
Mindestzahl der Proben gestellt? (denn dieses Werk ist nicht unter 5 Proben zu machen!) |
Ich muss sagen: wer immer das
ist, der meine Stücke da in London auf-
führt: es ist jedenfalls unrichtig, daß ich von
diesen Leuten gar nicht gefragt wurde. Es
wird ihnen doch in den Tempis und im
Charakter der Stücke manches zweifelhaft
gewesen sein. Und man könnte doch an-
nehmen, daß ein Autor seine Sachen
gerne hören möchte und ihn einladen. Ich
muss sagen, daß ich diese Aufführung
als eine arge Vergewaltigung empfinde.
Denn sie schneidet tief ein in meine
unveräußerlichen künstlerischen Interessen.
ist, der meine Stücke da in London auf-
führt: es ist jedenfalls unrichtig, daß ich von
diesen Leuten gar nicht gefragt wurde. Es
wird ihnen doch in den Tempis und im
Charakter der Stücke manches zweifelhaft
gewesen sein. Und man könnte doch an-
nehmen, daß ein Autor seine Sachen
gerne hören möchte und ihn einladen. Ich
muss sagen, daß ich diese Aufführung
als eine arge Vergewaltigung empfinde.
Denn sie schneidet tief ein in meine
unveräußerlichen künstlerischen Interessen.
4/9.1912
P. T. Edition Peters, aus beiliegendem Zeitungsausschnitt erfahre ich, daß die Aufführung meiner
Orchesterstücke in London schon in dieser Woche
stattfindet. Da diese die Uraufführung ist (!)
bin ich höchst überrascht und besorgt, da man mich
gar nicht gefragt hat, ob mir eine Aufführung
in London
und
ohne meine Anwesenheit (!) recht
ist. Es ist fast ganz ausgeschlossen, daß eine
solche Aufführung gut sein kann. Ich selbst habe
die Stücke noch nicht gehört und weiß nicht,
ob nicht kleine Retouchen nötig sind (etc!)
Und nun weiß ich nicht einmal, wer es
aufführt; ich weiß nicht ob Dirigent und
Orchester gut genug sind!! Abgesehen davon:
ich hätte es auch gern gehört! Ich bitte Sie daher,
mir umgehend folgendes mitzuteilen:
| I. | Wer führt das auf? Welches Orchester,
welcher Dirigent? |
| II. | Haben diese Leute von Ihnen das Recht
zur Uraufführung erhalten? |
| III. | Wurden Bedingungen über die
Mindestzahl der Proben gestellt? (denn dieses Werk ist nicht unter 5 Proben zu machen!) |
Ich muss sagen: wer immer das
ist, der meine Stücke da in London aufführt: es ist jedenfalls unrichtig, daß ich von
diesen Leuten gar nicht gefragt wurde. Es
wird ihnen doch in den Tempis und im
Charakter der Stücke manches zweifelhaft
gewesen sein. Und man könnte doch annehmen, daß ein Autor seine Sachen
gerne hören möchte und ihn einladen. Ich
muss sagen, daß ich diese Aufführung
als eine arge Vergewaltigung empfinde.
Denn sie schneidet tief ein in meine
unveräußerlichen künstlerischen Interessen.
erbitte retour!
Schönberg
4. September 1912
Sächsisches Staatsarchiv (Leipzig)
Leipzig
21070 C. F. Peters
Nr. 2052
Leipzig
21070 C. F. Peters
Nr. 2052
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an C. F. Peters, 4. September 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit C. F. Peters. Hrsg. von Florian Giering. Version 1.0 vom 02.04.2025. URL: https://www.schoenberg-peters.at/cfp/letters/letter.7735.