Sehr geehrter Herr!
Ihrem Wunsche entsprechend sende ich Ihnen einliegend
Kopie des Verlagsscheines über Ihr opus 16. – Ich bemerke höflichst,
dass ich am Mittwoch den 31. ds. in Berlin bin und mich freuen
würde, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen. – Ich bin von
5 1/2 – 7 Uhr frei und darf Sie vielleicht um ein Rendez-Vous
um 5 1/2 Uhr bei Habel, Unter den Linden bitten und nur im Falle
es Ihnen nicht passen sollte, um ein Wort der Rückäusserung.– Sie erkennen
mich an einem Spitzbart & Klemmer.

Sehr bedauere ich, dass Sie meinem Titel-Wunsche nicht
entsprechen wollen resp. können.– Ich halte die Frage für wichtig
genug, um Sie zu ersuchen, dieselbe nochmals in Erwägung zu ziehen. –
Meine langjährige Erfahrung hat mich gelehrt, dass Kompositionen
unter dem Titel „Stücke“ von vorneherein nicht zu lancieren
sind, – sowohl bei Sinding, wie Reger sind im Gegensatz zu anderen
Werken die so betitelten opera völlig ungangbar.– Die Dirigenten
wie das Publikum brauchen um zum Zugreifen ermuntert zu werden, –
ausser dem Namen des Komponisten, durch den Titel eine ungefähre
Direktive wie sie sich „einzustellen“ haben. – Es braucht in dem
Titel durchaus kein Programm gegeben zu werden, – aber doch etwas
mehr als „5 Orchester-Stücke No.3.“ – Solche Bezeichnungen finden
Sie weder bei den Klassikern, – noch – soweit ich weiss, bei den Modernen.


Also bitte überlegen Sie sich den Fall nochmals, ob nicht
ein General-Titel, wie Heitere, Ernste Gedanken, – Episoden,
Elegische Weisen oder Aehnliches möglich ist.– Sie dürfen über-
zeugt sein, ein solches „Entgegenkommen“ wäre auch in Ihrem
Interesse.–
Mit hochachtungsvollem Grusse

Ihr ergebener

C. F. Peters
(Henri Hinrichsen)
Sehr geehrter Herr!
Ihrem Wunsche entsprechend sende ich Ihnen einliegend Kopie des Verlagsscheines über Ihr opus 16. – Ich bemerke höflichst, dass ich am Mittwoch den 31. ds. in Berlin bin und mich freuen würde, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen. – Ich bin von 5 1/2 – 7 Uhr frei und darf Sie vielleicht um ein Rendez-Vous um 5 1/2 Uhr bei Habel, Unter den Linden bitten und nur im Falle es Ihnen nicht passen sollte, um ein Wort der Rückäusserung.– Sie erkennen mich an einem Spitzbart & Klemmer.
Sehr bedauere ich, dass Sie meinem Titel-Wunsche nicht entsprechen wollen resp. können.– Ich halte die Frage für wichtig genug, um Sie zu ersuchen, dieselbe nochmals in Erwägung zu ziehen. – Meine langjährige Erfahrung hat mich gelehrt, dass Kompositionen unter dem Titel „Stücke“ von vorneherein nicht zu lancieren sind, – sowohl bei Sinding, wie Reger sind im Gegensatz zu anderen Werken die so betitelten opera völlig ungangbar.– Die Dirigenten wie das Publikum brauchen um zum Zugreifen ermuntert zu werden, – ausser dem Namen des Komponisten, durch den Titel eine ungefähre Direktive wie sie sich „einzustellen“ haben. – Es braucht in dem Titel durchaus kein Programm gegeben zu werden, – aber doch etwas mehr als „5 Orchester-Stücke No.3.“ – Solche Bezeichnungen finden Sie weder bei den Klassikern, – noch – soweit ich weiss, bei den Modernen.
Also bitte überlegen Sie sich den Fall nochmals, ob nicht ein General-Titel, wie Heitere, Ernste Gedanken, – Episoden, Elegische Weisen oder Aehnliches möglich ist.– Sie dürfen überzeugt sein, ein solches „Entgegenkommen“ wäre auch in Ihrem Interesse.–
Mit hochachtungsvollem Grusse Ihr ergebener
C. F. Peters
()

26. Jänner 1912



The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

C. F. Peters an Arnold Schönberg, 26. Januar 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit C. F. Peters. Hrsg. von Florian Giering. Version 1.0 vom 02.04.2025. URL: https://www.schoenberg-peters.at/cfp/letters/letter.14927.