Arnold Schönberg an C. F. Peters
11. März 1912
11/3.1912
Sehr geehrter Herr, ich hatte bisher beabsichtigt, den Klavier-
auszug (für 2 Klaviere) meiner Orchesterstücke selbst zu
machen. Nun ich aber mich zu einer anderen größern kompositorischen
Arbeit verpflichtet habe, weiß ich, daß ich nicht die Zeit dazu
finden werde und deshalb möchte ich, daß ihn mein
Schüler Dr. Anton von Webern macht. Dieser besitzt
mein vollstes Vertrauen, er ist selbst ein hoch begabter Kom-
ponist und er wird sich in allem meinen Wünschen an-
passen. So hoffe ich, daß der Auszug sogar wesentlich
besser werden wird, als wenn ich ihn allein machte, denn
ich bin ja doch kein Pianist und das ist immerhin ein
Hindernis. Jedenfalls übernehme ich die vollste Garan-
tie für die Güte der Arbeit! Mit Dr. von Webern habe ich
diese Arbeit schon längst besprochen und ihm auch gesagt, daß
Sie für den Auszug 200 Mark bezalen.
auszug (für 2 Klaviere) meiner Orchesterstücke selbst zu
machen. Nun ich aber mich zu einer anderen größern kompositorischen
Arbeit verpflichtet habe, weiß ich, daß ich nicht die Zeit dazu
finden werde und deshalb möchte ich, daß ihn mein
Schüler Dr. Anton von Webern macht. Dieser besitzt
mein vollstes Vertrauen, er ist selbst ein hoch begabter Kom-
ponist und er wird sich in allem meinen Wünschen an-
passen. So hoffe ich, daß der Auszug sogar wesentlich
besser werden wird, als wenn ich ihn allein machte, denn
ich bin ja doch kein Pianist und das ist immerhin ein
Hindernis. Jedenfalls übernehme ich die vollste Garan-
tie für die Güte der Arbeit! Mit Dr. von Webern habe ich
diese Arbeit schon längst besprochen und ihm auch gesagt, daß
Sie für den Auszug 200 Mark bezalen.
Zu diesem Zweck benötige ich nun sehr bald,
(denn ich sehe es sehr gern, wenn der Auszug gleichzeitig
mit der Partitur erschiene, was ja schon für die Dirigenten
ein Vorteil wäre) ein Exemplar der Partitur. Deshalb bitte
ich Sie (warum ich die übrigen Abzüge brauche, werde ich
gleich begründen) mir von den Korrektur-Abzügen sobald
wie möglich 4 (vier) Exemplare zu schicken. Das erste
Exemplar zur Korrektur für die Stecherei. Das 2te für
Dr. von Webern, das 3te für mich als Handexemplar
um eine Kontrolle für den Auszug und auch für die Korrekturen
zu haben, und das 4te benötige ich um dort die An-
weisungen einzutragen von denen ich Ihnen schon seiner-
zeit schrieb, daß ich sie für die Stimmen für
nötig halte.
Es handelt sich nämlich um die Stichworte für jene
Instrumente die Pausen haben.
Da dieses Stücke sehr schwer sind, würde
ich, wenn Sie die kleine Verteuerung
nicht scheuen die Stimmen am liebsten so aus-
führen lassen, wie bei meinem II. Quartett,
wo (in 3. u. 4. Satz) jede Stimme ununter-
brochen über ihrer eigenen Zeile in einer
kleingeschriebenen Zeile einen Auszug aus
dem hat, den was das übrige Orchester gleich-
zeitig spielt. Dadurch ist der Spieler in der
Lage fortwährend mitzulesen, was es ihm erlei
das Bringen schwieriger Einsätze und das
Einteilen schwieriger Rhytmen sehr erleichtert
z. B.: etc
Diese Einrichtung hat sich bei mir und bei einigen
anderen jüngeren Komponisten, die sie akzeptiert
haben, ausgezeichnet bewährt.
Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie damit ein-
verstanden sind.
Wenn nicht, so werden meine Einzeichnungen
dem Ausschreiber bloß angeben, welche Stichworte
und wieviel Takte, er für jedes Instrument
schreiben muß. Ich halte das für zu wichtig, als
daß ich es einfach dem Kopisten überlassen könnte.
Die machen das nie zu meiner Zufriedenheit.
Hoffentlich erhalte ich die Korrektur-Abzüge
recht bald.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen
noch sagen, daß in den letzten Wochen ein
Buch über mich erschienen ist, das man
Ihnen zusenden wird. Darin wird so
überschwänglich von mir gesprochen, daß ich
kaum Hoffnung habe, je dem gerecht zu
werden. Da aber viel Liebe darin ist,
hat es mir doch Freude gemacht.
11/3.1912
Sehr geehrter Herr, ich hatte bisher beabsichtigt, den Klavierauszug (für 2 Klaviere) meiner Orchesterstücke selbst zu
machen. Nun ich aber mich zu einer anderen größern kompositorischen
Arbeit verpflichtet habe, weiß ich, daß ich nicht die Zeit dazu
finden werde und deshalb möchte ich, daß ihn mein
Schüler
Dr. Anton von Webern macht. Dieser besitzt
mein vollstes Vertrauen, er ist selbst ein hoch begabter Komponist und er wird sich in allem meinen Wünschen anpassen. So hoffe ich, daß der Auszug sogar wesentlich
besser werden wird, als wenn ich ihn allein machte, denn
ich bin ja doch kein Pianist und das ist immerhin ein
Hindernis. Jedenfalls übernehme ich die vollste Garantie für die Güte der Arbeit! Mit Dr. von Webern habe ich
diese Arbeit schon längst besprochen und ihm auch gesagt, daß
Sie für den Auszug 200 Mark bezalen.
Zu diesem Zweck benötige ich nun sehr bald,
(denn ich sehe es sehr gern, wenn der Auszug gleichzeitig
mit der Partitur erschiene, was ja schon für die Dirigenten
ein Vorteil wäre) ein Exemplar der Partitur. Deshalb bitte
ich Sie (warum ich die übrigen Abzüge brauche, werde ich
gleich begründen) mir von den Korrektur-Abzügen sobald
wie möglich
4 (vier) Exemplare zu schicken. Das erste
Exemplar zur Korrektur für die Stecherei. Das 2te für
Dr. von Webern, das 3te für mich als Handexemplar
um eine Kontrolle für den Auszug und auch für die Korrekturen
zu haben, und das 4te benötige ich um dort die Anweisungen einzutragen von denen ich Ihnen schon seinerzeit schrieb,
daß ich sie für die Stimmen für
nötig halte.
Es handelt sich nämlich um die Stichworte für jene
Instrumente die Pausen haben.
Da diese Stücke sehr schwer sind, würde
ich, wenn Sie die kleine Verteuerung
nicht scheuen die Stimmen am liebsten so ausführen lassen, wie bei meinem II. Quartett,
wo (in 3. u. 4. Satz) jede Stimme ununterbrochen über ihrer eigenen Zeile in einer
kleingeschriebenen Zeile einen Auszug aus
dem hat, was das übrige Orchester gleichzeitig spielt. Dadurch ist der Spieler in der
Lage fortwährend mitzulesen, was ihm
das Bringen schwieriger Einsätze und das
Einteilen schwieriger Rhytmen sehr erleichtert
z. B.:
etc
Diese Einrichtung hat sich bei mir und bei einigen
anderen jüngeren Komponisten, die sie akzeptiert
haben, ausgezeichnet bewährt.
Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie damit einverstanden sind.
Wenn nicht, so werden meine Einzeichnungen
dem Ausschreiber bloß angeben, welche Stichworte
und wieviel Takte, er für jedes Instrument
schreiben muß. Ich halte das für zu wichtig, als
daß ich es einfach dem Kopisten überlassen könnte.
Die machen das nie zu meiner Zufriedenheit.
Hoffentlich erhalte ich die Korrektur-Abzüge
recht bald.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen
noch sagen, daß in den letzten Wochen ein
Buch über mich erschienen ist, das man
Ihnen zusenden wird. Darin wird so
überschwänglich von mir gesprochen, daß ich
kaum Hoffnung habe, je dem gerecht zu
werden. Da aber viel Liebe darin ist,
hat es mir doch Freude gemacht.
Ich erwarte auch noch Nachricht, ob Sie
Wert darauf legen, daß ich den Orchester
stücken jene Titel gebe, die ich Ihnen nannte.
Mir scheint es jetzt fast gut, daß ich es tue.
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an C. F. Peters, 11. März 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit C. F. Peters. Hrsg. von Florian Giering. Version 1.0 vom 02.04.2025. URL: https://www.schoenberg-peters.at/cfp/letters/letter.7728.